Der erste Herbststurm im August

Der erste Herbststurm im August

Eine Anmerkung sei schon mal vorausgeschickt: Der positive Börsenzyklus ist schon mehr als reif und ganz sicher werden wir die eine oder andere Korrektur in den nächsten Monaten immer wieder sehen, aber es gibt keinen Grund zur Panik.

Die Angst um die wirtschaftliche Entwicklung in China ist nach unserer Einschätzung übertrieben. Zugegeben, das Wirtschaftswachstum Chinas wird das 7 % Wachstumsziel der Zentralregierung mehr oder weniger deutlich verfehlen, aber immer noch beachtlich sein. Eine Rezession wird jedenfalls nicht für China prognostiziert.

Wir sind für den Gesamtmarkt immer noch moderat positiv gestimmt: An der niedrigen Zinspolitik der europäischen Notenbank wird sich auch mittelfristig nichts ändern und die Gewinnaussichten der deutschen Unternehmen sind weiterhin günstig. Es geht folglich auch in den nächsten Monaten um Opportunitäten, denn Relationen treiben die Märkte und Kurse. Welche Rendite erzielt der Anleger mit einer Investition in sichere Renten oder auf dem Festgeldkonto seiner Hausbank im Vergleich zu einer unsicheren Anlage, z. B. in Unternehmensanleihen oder Aktien?

Diese Unsicherheit steigt natürlich im Zeitablauf eines Börsenzyklus und führt immer auch zu Neubewertungen. Mit dieser Unsicherheit werden wir leben müssen. Verschärft wurde diese unruhige Phase von der zögerlichen Haltung der US-Notenbank in ihrer Zinspolitik, die Gift für die Märkte ist. Marktteilnehmer versuchen sich auf die wahrscheinliche Zinserhöhung einzustellen und ziehen Geld in massiver Weise aus anderen Märkten ab. Insbesondere die Emerging Markets leiden unter diesem Kapitalentzug. Schlussendlich werden die Zinsen in den USA steigen und die Anlage in US-Staatspapiere wird lohnender werden. Die konjunkturelle Situation in den USA und die sehr erfreuliche Entwicklung auf dem US-Arbeitsmarkt müssen gebremst werden, um eine Inflationsgefahr schon im Keim zu ersticken. Warum aber zögert die FED? Unseres Erachtens geht es der FED in erster Linie um den Außenwert der eigenen Währung. Die deutliche Abwertung des Euro in den letzten Monaten hat sicherlich eine dämpfende Wirkung auf die US-Exportindustrie, aber der Binnenmarkt strotzt derzeit vor Stärke und die Konjunktur in den USA droht zu überhitzen.

Auch die chinesische Regierung hat auf die von den Europäern ausgelöste Abwertungsspirale reagiert und den Yuan freier floaten lassen. Die europäische Zentralbank spielt ein gewagtes Spiel. Die erheblichen Bemühungen, den Außenwert des Euros zu reduzieren, sind geglückt, aber nun reagieren die anderen Währungsräume. Wollen wir hoffen, dass hier keine Abwertungsspirale in Gang gesetzt wurde. Besser wäre es, die Wirtschaftsräume würden sich auf ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit konzentrieren, um sich ordnungspolitisch diesem Thema zu nähern und nicht zu versuchen, über aktive Währungspolitik Einfluss zu nehmen. Ich wünschte, wir hätten die Politisierung der Notenbank verhindert.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Volker Sarstedt
im Juli 2015