Die Odyssee wird fortgesetzt

Die Odyssee wird fortgesetzt

Die große Verunsicherung durch das Schuldendrama Griechenlands und die Unsicherheit über die Auswirkungen dieser Euro-Krise auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere der Eurozone, war einer der Spielverderber in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Viele Marktteilnehmer wurden auf dem falschen Fuß erwischt, als die Kurse im zweiten Quartal aufgrund dieser Entwicklungen deutlich einbrachen. Zur weiteren Verunsicherung trugen sicher auch die Ukraine-Krise und das militärische Säbelrasseln der Chinesen bei.

Vor diesem Hintergrund ist es auf den ersten Blick mehr als verwunderlich, dass sich die Aktienmärkte so gut halten konnten. Auch nach der „Einigung“ bleiben die wesentlichen Probleme ungelöst. Die Schuldenlast ist von Griechenland nicht zu bezahlen, da sollte sich niemand etwas vormachen. Ob es den Griechen gelingt, die strukturellen Reformen umzusetzen, die für ein funktionierendes Staatswesen essentiell wären, bleibt auch weiterhin sehr fraglich. Von großem Interesse wird es sein, wie sich die beiden großen europäischen Länder Frankreich und Italien nun verhalten werden. Der Anreiz, den notwendigerweise eingeschlagenen Reformweg fortzusetzen (Italien) oder zumindest zu erkennen, dass es notwendig wäre, etwas zu verändern (Frankreich), ist leider nicht größer geworden. Auf diese Entwicklung werden wir in den nächsten Monaten sehr genau schauen.

Ohne Aktien geht es nicht – auch nicht im zweiten Halbjahr 2015

Die aktuellen Zahlen der Unternehmensentwicklung im Verhältnis zu den zu erzielenden Renditen auf den Anleihemärkten lassen kaum einen anderen Schluss zu. Jedenfalls war das erste Halbjahr 2015 – trotz der hohen Volatilität – ein gutes. So konnte der Nikkei 225 um 16 % steigen. Auch die Entwicklung des DAX (+11,6 %) und die des EuroStoxx 50 (+8,8 %) konnten sich sehen lassen. Nur die amerikanischen Aktienmärkte konnten dieses Tempo nicht mitgehen. So verlor der Dow Jones 1,1 % und beim breiter aufgestellten S&P 500 Index blieb nur ein mageres Ergebnis von 0,2 %.

Auch das zweite Halbjahr wird uns einiges an Spannungen liefern, das ist gewiss. Von besonderem Interesse wird dabei die Zinspolitik der Notenbanken sein. Ob die angekündigte Zinserhöhung in den USA Ende des dritten Quartals die Initialzündung für steigende langfristige Zinsen sein wird?

Die Entwicklung des Euro-Kurses hängt derzeit sehr stark an der expansiven Politik der EZB. Die europäischen Währungshüter verfolgen zwei Ziele: Zum einen soll die deflatorische Tendenz in der Eurozone bekämpft werden und zum anderen (wenn auch nicht so deutlich ausgesprochen) soll der Euro gegenüber wichtigen anderen Währungen abgewertet werden, um den Unternehmen einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil im Außenhandel zu gewähren.

Während die Inflationsrate noch auf niedrigem Niveau verharrt, scheint die Abwertungspolitik für den Euro erste Früchte zu tragen: Gegenüber allen wichtigen Währungen verlor der Euro an Wert (8 % gegenüber den US–Dollar, 6 % gegenüber dem Yen und über 13 % gegenüber dem Schweizer Franken).

Und auch die Deflationsgefahren sind in den Hintergrund gerückt. So erwarten die Experten des Instituts für Weltwirtschaft (IFW) wieder eine deutlich positive Inflationsrate für Deutschland (1,7 % für das Jahr 2016). Wir wären nicht überrascht, wenn die Inflationsrate nicht sogar etwas deutlicher ansteigen könnte als prognostiziert.

Neben vielen Unsicherheiten erscheint die Konjunktur derzeit in weiten Teilen der Welt als sehr robust. Die Wachstumsaussichten, auch in den europäischen Krisenländern (ohne Griechenland), sind teils mehr als erfreulich. Vor diesem Hintergrund sollten sich in der zweiten Jahreshälfte 2015 Aktien relativ gut rentieren können.

Anlagestrategie im zweiten Halbjahr 2015

Wir werden auch weiterhin auf „Sicht“ die Anlageentscheidungen treffen. Die Unsicherheiten sind nicht aus der Welt und wir wollen schnell auf sich abzeichnende Probleme reagieren können. Die konjunkturelle Situation lässt eine maximal ausgefahrene Aktienquote noch zu, aber wir werden auch künftig, neben unseren erstklassigen Aktienfondsmanagern, auf unsere bewährten Zertifikatestrukturen setzen. Wir erwarten für das zweite Halbjahr 2015 für die USA die Zinswende. Für dieses Szenario sehen wir uns aber gut aufgestellt. Wir haben schon im letzten Jahr begonnen, uns darauf einzustellen und entsprechend vorzubereiten. Die Rentenanlagen laufen unter dem Motto: „Liquidität vor Rendite“. Wir sehen derzeit auch keinen Grund, an dieser Ausrichtung für dieses Teilportfolio etwas zu verändern. Ein Schwerpunkt unseres Anlagekonzeptes bildet nach wie vor unser Absolute Return Portfolio. Hier werden wir auch in den nächsten Monaten Optimierungsmöglichkeiten nutzen, aber das Gewicht nicht verringern.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Volker Sarstedt
im Juli 2015