Zeitenwende

Zeitenwende

Wir stehen vor einer Neuorientierung an den Kapitalmärkten. Nicht nur das zähe Ringen der amerikanischen Notenbank, nun endlich die Zinswende vorsichtig einzuleiten, ist ein Indikator dafür. Lassen Sie uns gemeinsam auf die Fakten schauen.

Die Inflation kehrt zurück

Die weltweite kritische Sicherheitssituation und die daraus resultierenden Flüchtlingsbewegungen werden nicht nur in Europa die Gesellschaften verändern, sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen haben. Die Nachfrage des Staates wird im Zuge der Flüchtlingskrise wachsen und somit auch das Wirtschaftswachstum positiv beeinflussen. Die Erosion des Ölpreises wird sich nicht langfristig fortsetzen und damit direkt über die Energiepreise die Inflation steigen lassen. Im Moment drücken die niedrigen Rohstoffkosten die Preise, aber durch den Basiseffekt könnte sich in naher Zukunft dieser Beitrag in das Gegenteil verkehren. Mit Sorge schauen wir in den arabischen Raum. Dort wird sich das Machtgefüge verschieben. Die Auswirkungen sind kaum absehbar.

Die Inflationierung der Vermögenspreise hat nur vorlaufenden Charakter. Die Preisentwicklung einzudämmen wird eines der Hauptprobleme der Notenbanken in den nächsten Jahren, auch wenn dies derzeit eher anders klingt, wenn man die Äußerungen der EZB verfolgt. Nicht die mögliche Deflation ist das Problem, sondern dass die Abwertungsbemühungen der Zentralbank unsere Stabilität nachhaltig gefährdet. Die Politik des billigen Geldes hat viele (Wert-) Relationen völlig verschoben.

Das weltweite Handelswachstum verliert an Dynamik

Die Grenzen der Globalisierung sind offensichtlich geworden. Dies wird negative Auswirkungen haben, insbesondere auf Länder mit starken Außenhandels Abhängigkeiten. Auch eine Erholung im Schifffahrtssektor ist nicht abzusehen. Nach wie vor gibt es dort erhebliche Überkapazitäten.

Die markttechnischen Risiken sind deutlich gestiegen

Durch die regulatorischen Eingriffe hat sich der Markt verändert. Bisher ist das nur an einigen Tagen deutlich geworden. Sollten die Notenbanken aber als erste Nachfrager insbesondere an den Anleihemärkten ausfallen, werden wir Volatilitäten an den Märkten erleben, die vergleichbar mit denen sind der Jahre 2008/2009.

Die deutsche Konjunktur ist robust

Deutschland und viele europäische Länder stehen vor einem Jahr, das ein erhebliches Wirtschaftswachstum verspricht. Deutschland wird, nicht zuletzt getragen durch den deutlich verbesserten privaten Konsum, wieder ein deutliches Plus erwarten können. Von einer Rezession ist jedenfalls nichts zu spüren. Hinzu kommt, dass die Staatskonsumausgaben wegen der Flüchtlingskrise deutlich steigen werden.

Wie kann der Anleger sich in einem solchen Umfeld positionieren?

Rentenpapiere mit einer einigermaßen akzeptablen Bonität werfen keinen Zins ab und sind unserer Meinung nach deutlich überbewertet. Aktien erscheinen vor dem Hintergrund der zumindest mittelfristig auch weiterhin sehr niedrigen Zinsen durchaus eine Alternative zu sein. Die Volatilität der letzten Wochen könnte für eine neue Positionierung genutzt werden. Aber ohne eine erhöhte Verlusttoleranz, werden keine Erträge zu erzielen sein.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Volker Sarstedt
im Januar 2016